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Die Welt durch Patente (1) — Globale IP-Trends der WIPO 2025

Die Welt durch Patente (1) — Globale IP-Trends der WIPO 2025

In diesem Beitrag möchte ich anhand von Patenten einen makroskopischen Blick auf den Stand der technologischen Entwicklung weltweit werfen.

Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) veröffentlichte im vergangenen Jahr die World Intellectual Property Indicators 2025. Der umfangreiche Bericht enthält weltweite Patentdaten für 2024. Ich habe daraus die Punkte ausgewählt und zusammengestellt, die mir besonders aufgefallen sind.




📈 Gesamtzahl der Anmeldungen

2024 wurden weltweit 3,7 Millionen Patentanmeldungen eingereicht. Das sind 4,9% mehr als im Vorjahr: der stärkste Zuwachs seit 2018 und das fünfte Wachstumsjahr in Folge. Langfristig hat sich die Zahl in den 14 Jahren seit 2010, als sie bei etwa 2 Millionen lag, nahezu verdoppelt.

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Interessant ist der Unterschied zwischen den Trends bei Anmeldungen von Gebietsansässigen und Nichtansässigen. Von den 3,7 Millionen Anmeldungen 2024 waren 2,7 Millionen (72,6%) Inlandsanmeldungen, die Anmelder im eigenen Land einreichten (resident filings). Sie wuchsen mit 6,8% — dem höchsten Wert seit 2016 — deutlich schneller als Anmeldungen von Nichtansässigen (non-resident filings). Innovation richtet sich offenbar zunehmend darauf aus, Rechte zuerst im Heimatland zu sichern.

Dies geht allerdings auch auf Chinas überwältigende Anmeldezahlen zurück, die in jüngster Zeit besonders stark gestiegen sind:

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Auf Chinas Einfluss auf die weltweiten Anmeldetrends komme ich später zurück.




🌏 Anmeldungen nach Ländern

Von 1883 bis in die 1960er-Jahre war das US-Patentamt durchgehend das weltweit führende. 1968 überholte Japan die USA, 2011 folgte China. Heute liegt China mit großem Abstand vorn.

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Nach Kontinenten entfallen 70,1% der weltweiten Anmeldungen auf asiatische Patentämter, gegenüber 60% vor zehn Jahren — ein Plus von rund 10 Prozentpunkten. Nordamerikas Anteil sank dagegen von 22,9% auf 17,1%, Europas von 12,9% auf 9,7%. Die weltweite Patentaktivität konzentriert sich somit rasch auf wenige asiatische Zentren.

Vergleich der Anmeldungen nach Kontinenten 2014 und 2024
Vergleich der Anmeldungen nach Kontinenten 2014 und 2024

Die fünf größten Patentämter — China, USA, Japan, Südkorea und Europa — vereinen weiterhin eine überwältigende Mehrheit von 85,5% aller Anmeldungen auf sich.




🗺️ Nationale Anmeldemuster

Was jeweils „Anmeldung“ heißt, sieht von Land zu Land recht unterschiedlich aus. Beginnen wir, wie angekündigt, mit China.

China: Mit 1,8 Millionen Anmeldungen 2024, also 49,1% des weltweiten Gesamtwerts, liegt es klar an erster Stelle. Der Auslandsanteil ist mit 6,9% jedoch ungewöhnlich niedrig: Das System ist stark auf den Binnenmarkt ausgerichtet. Tatsächlich sind 96,7% der Patente chinesischen Ursprungs Anmeldungen bei nur einem Amt, also in einem einzigen Land.

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USA: Trotz Platz zwei bei der Gesamtzahl stehen sie bei Anmeldungen im Ausland mit etwa 230.000 weiterhin weltweit an erster Stelle. Sie sichern ihren Einfluss durch internationale Abdeckung.

Dieser Punkt ist für mich der eindrucksvollste der aktuellen Indikatoren. China stellt etwa 70% der weltweiten Patentfamilien — also der eigenständigen Erfindungen nach Bereinigung um Mehrfachanmeldungen —, erreicht bei den in mehreren Ländern angemeldeten auslandsorientierten Familien aber nur Platz drei. Hier liegen die USA eindeutig vorn.

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China baut seinen Einfluss also durch groß angelegten, auf das Inland konzentrierten Rechtsschutz auf, die USA durch eine breite geografische Abdeckung. Die Entscheidungen gehen klar auseinander: China setzt auf Menge, die USA auf Reichweite.

Weitere auffällige Länder sind:

Indien: Mit 19,1% Wachstum und nun schon sechs aufeinanderfolgenden Jahren zweistelliger Zuwächse entwickelt sich das Land zu einer neuen Patentmacht. Auch Türkiye und Finnland verzeichnen weiterhin zweistellige Zuwachsraten.

Niederlande, Schweden und Schweiz: Sie verfolgen eine Multi-Office-Strategie und melden mehr als 70% ihrer Patente in mindestens zwei Ländern an.




💻 Verteilung nach Technologiefeldern

Neben Regionen und Ländern betrachten wir auch die Technologiefelder. Die Daten beziehen sich auf 2023, das wegen des zeitlichen Abstands zwischen Anmeldung und Veröffentlichung jüngste Jahr mit vollständigen Angaben.

Bei der Aufteilung der weltweiten Anmeldungen nach Technologiefeldern liegt Computertechnik mit 13,2% klar vorn. Es folgen elektrische Maschinen und Energie (7,2%), Messtechnik (6,2%), digitale Kommunikation (5,8%) und Medizintechnik (4,9%).

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Der gemeinsame Anteil dieser fünf Felder stieg von 29,4% im Jahr 2013 auf 37,4% im Jahr 2023. Der größte Teil des Anstiegs entfiel auf Computertechnik. Deren Anmeldungen nahmen innerhalb von zehn Jahren von rund 170.000 auf 450.000 zu, also auf mehr als das 2,6-Fache. Das durchschnittliche jährliche Wachstum von 10,3% ist laut WIPO die einzige zweistellige Rate unter den zehn größten Technologiefeldern.

Ein grober Überblick über die Spezialisierung einzelner Länder ergibt folgendes Bild:

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China und die USA sind stark in der Computertechnik. In der digitalen Kommunikation sticht Schweden besonders hervor, gefolgt von Südkorea, Indien und den USA. Bei elektrischen Maschinen und Energie sind Deutschland, Japan und Südkorea stark; bei Medizintechnik und Pharma Israel, Europa — insbesondere die Schweiz und Großbritannien — sowie die USA; im Verkehr europäische Länder wie Frankreich, Deutschland und Italien.

Zusammengefasst ist Europa auf Verkehr spezialisiert, während Asien und die USA auf Computertechnik und digitale Kommunikation ausgerichtet sind. Südkorea ist sowohl bei digitaler Kommunikation als auch bei Elektrizität und Energie vertreten.




🧭 Abschließende Gedanken

Nach der Durchsicht des Berichts über Patentindikatoren möchte ich meine Eindrücke zusammenführen.

Zunächst ist der Gegensatz zwischen Chinas Menge und der geografischen Abdeckung der USA deutlich. Dass 96,7% der Patente chinesischen Ursprungs bei nur einem Amt in einem einzigen Land angemeldet werden, illustriert das Modell eines umfangreichen inlandsorientierten Rechtsschutzes. Die USA erhalten ihren Einfluss dagegen weiterhin durch weit über mehrere Länder gespannte Schutzrechtsnetze.

Auch die Fortschritte aufstrebender Länder wie Indien und Türkiye fallen auf. Für Technik und Industrie treten neue Wettbewerber auf; aus Sicht der Patentbranche eröffnen sich zugleich neue Märkte.

Mein Fazit lautet daher: Künftig sollten die Patentstrategien einzelner Länder und Branchen weniger danach analysiert werden, wie viel sie anmelden, sondern danach, welche Technologien sie mit einem Schutzrechtsnetz über welche Länder abdecken. Die Indikatoren dieses Berichts scheinen bereits in diese Richtung zu weisen.

„Die Welt durch Patente“ ist als Reihe geplant. In den nächsten Beiträgen werde ich einzelne Technologien vertieft betrachten — darunter Quantentechnologie, Krebsbehandlung und Raumfahrttechnik.


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